Grenzen III: Das Nachspiel

Um es in Gänze berichtet zu haben: Ein Kollege hat sich K. am folgenden Tag unter vier Augen zur Brust genommen. Wollte ihn erstmal etwas einschüchtern, um ihm klarzumachen, dass es Grenzen gibt, die ihm notfalls auch von anderen als einer körperlich unterlegenen Frau aufgezeigt würden.

K.s Antwort war, das hätte er selbst nicht nötig. Er würde dann schon zehn Leute bei uns vorbeischicken und (ich zitiere) “abstechen”. Er habe vorher schon selbst Leute “abgestochen”, das würde er heute aber nicht mehr selbst machen.

Des weiteren fordert er nach wie vor eine Entschuldigung von mir. Und wollte auf den Koran schwören, dass er sich nicht falsch verhalten habe… wahrscheinlich stimmt das sogar, in seinem Weltbild habe ich ihn vermutlich entehrt und er sich nichts zuschulden kommen lassen. Was nichts daran ändert, dass dieses Weltbild krank ist. Und mir Angst macht.

Ist es verwunderlich, dass ich momentan nicht mehr allein im Büro sein kann und mich frage, was passieren wird, wenn er durch die Prüfung am Montag fällt?

~ von ernestina am 11. Juli 2008.

5 Antworten to “Grenzen III: Das Nachspiel”

  1. Die Vorführung, die dieser Student da abzieht
    halte ich für unfassbar. Ich kenne auch kein
    “Weltbild”, das ein solches Verhalten befördert.
    Meine Vermutung ist, dass es sich um eine
    geplante Verhaltensweisen handelt, um Dich zu
    Beleidigungen oder ähnlichem zu provozieren und
    dann den Schein für die Veranstaltung mit der
    Begründung zu erstreiten, Du seist gegen ihn
    voreingenommen und zu einer fairen Bewertung
    nicht mehr fähig.
    Nun hast du eben nicht mitgespielt, so dass er
    (die Zeit drängt, die Prüfung naht) kurzerhand
    das Fehlverhalten deinerseits behaupten muss, was
    er vergeblich zu provozieren versucht hat.
    In so einem Fall sind 4-Augen-Gespräche vollkommen
    sinnlos. Mit diesem Herrn solltet Ihr also nur
    noch im Beisein von Zeugen irgendwelche Gespräche
    führen, oder auf die Schriftform ausweichen.
    Ich hab’ natürlich leicht reden, weil ich nicht
    in Deiner Situation bin, aber ich würde mir an
    Deiner Stelle keine Sorgen über die Prüfung machen.

  2. Danke für Deine Gedanken dazu! Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es so ist, wie Du vermutest (das habe ich auch schon in Erwägung gezogen). Wenn es so ist, dann muss ich wohl nicht wirklich Angst haben.
    Die andere Möglichkeit aber, dass er wirklich selbst glaubt, was er da redet, kann ich nicht ganz ausschließen. Er hat so verdammt überzeugend seine Diskriminierung beklagt und beharrt so stur auf meiner Entschuldigung, dass er, wäre es gespielt und nur eine Strategie, einen Oscar dafür verdient hätte. Und dieser Gedanke, in seinem kranken Hirn nun vielleicht die zu sein, der er eins auswischen muss, um seine Ehre wiederherzustellen, der lässt mich nicht gut schlafen.

    Aber selbst wenn: Ich kann nicht mehr machen als aufpassen und abwarten. Und für die Zukunft daraus lernen…

  3. Oje… :( Was für eine furchtbare Situation, in der du steckst. Ich kann es absolut nachempfinden. Weiß allerdings auch nicht wirklich, was man da machen könnte, außer tatsächlich noch mal ein Gespräch mit mehreren Zeugen zu beginnen, dass man zur Not auch der Polizei vorlegen kann oder bei Gericht um eine Verfügung zu erwirken, dass der Typ sich dir nicht auf so und so viele Meter nähern darf. Ich meine, das war ja eine Morddrohung, die der da ausgesprochen hat… Unglaublich!!!
    Furchtbar, dass diese Menschen so zusammenhalten und man selbst nichts dagegen tun kann, weil hier in Deutschland das mit dem Zusammenhalt und anderen Werten leider verpönt ist. :(

  4. Es ist wirklich erschreckend, dass man so wenig dagegen tun kann. Eine Nachfrage bei der Rechtsabteilung hat ergeben, dass es keine standardisierte Vorgehensweise für solche Fälle gibt: Man kann ihm nicht mit Exmatrikulation drohen, eine offizielle Verwarnung aussprechen oder ähnliches. So etwas ist im Uni-Ablauf scheinbar einfach nicht vorgesehen…
    Ich habe die Vorgänge genau protokolliert, seine Daten festgehalten und das Ganze bei der Frauenbeauftragten hinterlegt, für den Fall der Fälle – zum Glück habe ich Zeugen für einige Situationen. Der Plan ist nun, dass der Chef, wenn K. nochmal bei uns in Erscheinung tritt und sich auch nur annähernd danebenbenimmt, ihm ein Hausverbot erteilt. Dann können wir, sobald er auftaucht, direkt die Polizei verständigen. Zusätzlich bin ich derzeit nie alleine im Büro, die Türen sind offen, die Kollegen passen auf.

    Das alles ändert, wie Du Dir bestimmt vorstellen kannst, gar nichts an dem mulmigen Gefühl, das sich inzwischen sogar einstellt, wenn ich bei der Arbeit alleine auf die Toilette oder in die Teeküche gehe. Kann sein, dass ich meinen Psychotherapeuten nochmal in Anspruch nehmen muss.

    Aber weißt Du, ich denke, es war trotzdem richtig. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass seine Aggression daher stammt, dass ich eine Frau bin, und er es nicht verknusen kann, wenn eine Frau ihm “übergeordnet” ist. Diese Situation hat er bestimmt schon öfter hier in Deutschland gehabt, scheinbar aber nie entsprechend Gegenwind und Konsequenzen gespürt. Dass ich es nicht mit mir habe machen lassen, dass ich nicht klein beigebe, nur aus Angst, bestärkt mich irgendwie auf dem Weg der Versöhnung mit mir selbst, den ich ja noch lange nicht abgeschlossen habe.
    Deshalb werde ich mich auch nie bei ihm entschuldigen, wie es mir manche empfehlen (”Deine Sicherheit ist wichtiger als Prinzipien!”). Und so werde ich, wenn das alles überstanden und verdaut ist, zumindest zufrieden zurückschauen, in der Gewissheit, meine Überzeugungen nicht verraten zu haben und mir treu geblieben zu sein. Und mich nicht zuletzt deshalb vielleicht irgendwann besser akzeptieren oder sogar liebhaben können.

  5. [...] unendliche Geschichte Verglichen mit den bisherigen Ereignissen verlief die gestrige Prüfung sogar [...]

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