Das Tattoo

Oh mein Gott, was tut man sich nicht alles an, wenn man von bösen Gedanken gelähmt ist..

Ich lag total erschossen, nach einem weiteren anstrengenden, aber für mich sinnlosen Tag, nicht in der Lage, den dringend notwendigen Hausputz zu erledigen oder all die Dinge abzuarbeiten, die forschungstechnisch schon lange in der Pipeline stecken und für die ich tagsüber keine Zeit finde.
Kurzum, etwas Glotze kam gelegen. Nun bin ich ja absoluter Tatort-Fan und daher deutschen Produktionen nicht grundsätzlich abgeneigt, im Gegensatz zu vielen meiner Mitmenschen – was, wie sich gerade herausstellte, zu bösen Fehleinschätzungen führen kann.

Ein Filmchen bis 21:50, auf 3sat, also ohne Werbung (wie ich die hasse!), und laut Fernsehzeitung (ja, sowas habe ich – ich weiß, ich weiß) ein spannender Thriller, samt Mystery-Komponente. Das war was für mich! Dachte ich.

Ich habe Dan Browns Sakrileg gelesen, aber hauptsächlich, weil damals – gefühlt – alle es lasen und ich wissen musste, was daran so toll war. Ich fand es spannend, aber auf relativ einfache Weise funktionierend; und dass da vieles an den Haaren herbeigezogen war, wurde mir nicht erst bei der späteren Lektüre von Der Helige Gral und Seine Erben klar, welches zwar immer noch reichlich Spekulationen und Mythen bedient, zumindest aber etwas mehr zum Nachfragen und Überdenken anregt.

Den Film Sakrileg habe ich mir nicht angeschaut, der Reiz war gleich Null. Hätte ich gewusst, dass der heutige Film Das Tattoo in meinen Augen im besten Fall als Versuch, im Bugwasser solcher Produktionen mitzschwimmen, durchgehen kann, ich hätte mich bestimmt zur Arbeit aufgerafft.

Es wirkte alles auf mich, als wenn ein paar Menschen von einem Regionalsender ein Werk von Dan Brown gelesen hätten, und abends bei einem Bier hätte einer von ihnen plötzlich die glorreiche Idee gehabt: „Mensch, Kalle, das schaffen wir doch auch! Irgendwas mit Schatz und geheim und so, halt mysteriös… „„Ja nee, Uwe, das ist es! Und ne schicke Braut muss auch rein!“.

Hier ist meine ganz persönliche Analyse. Platte Charaktere, hölzern dargestellt. Ein Plot, der so unlogisch und realitätsfern war, dass an den wirklich wichtigen neuralgischen Punkten Schnitte statt Lösungen kamen und es einfach woanders weiterging. Abstruse Behauptungen über die Katharer, nur um den Faden spinnen zu können. Eine Dreiecksbeziehung eingebaut, um durch die so entstehende „Spannung“ die logischen Defizite der Handlungsstränge ausgleichen zu können. Spezialeffekte, die auf jeder Playstation realistischer aussehen.

Und das Schlimmste: Meine Fernsehzeitung empfahl mir diesen Zeitvertreib. Armes Deutschland.

~ von ernestina am 15. Juli 2008.

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