Voyerismus at its best

Seit Montag haben in den öffentlich-rechtlichen Boulevardmagazinen, die hier immer mal im Hintergrund laufen, täglich Beiträge zum Mord an Michelle ihren festen Platz.

Was mich wirklich wütend macht, ist der Anstrich des investigativen Journalismus, der dort dem Dienst am Voyeurismus gegeben wird. Jeden Tag läuft es nach dem gleichen Schema ab:

Der Moderator findet einleitende Worte der Betroffenheit. Dann heißt es „Wir haben seit Montag unseren Reporter vor Ort. XY, wie ist der Stand der Ermittlungen?“ . Man sieht XY, wahlweise in Leipzigs Fußgängerzone oder vor Michelles Schule, immer aber mit trauernden Menschen im Hintergrund. Dann setzt er an und erklärt, die Journalisten wüssten nichts über den Stand der polizeilichen Untersuchungen; dies habe ermittlungstaktische Gründe (ach!). Dann werden ein paar Fakten serviert, die so bereits in der Morgenzeitung beim Bäcker zu finden waren, um dann zu den wirklich wichtigen Dingen zu kommen: Die Menschen, wie sie trauern. Sie werden gezeigt, es wird beschrieben, wie sie psychologisch betreut werden müssen, wie sie spontan demonstrieren und Mahnwachen halten, wie die Kinder um ihre Schulkameradin weinen. Zurück ins Studio.

Und der Mensch dort am anderen Ende sagt: „Vielen Dank, XY, für diese neuen Informationen zum Fall.“ Und zum Zuschauer gewandt: „Die aktuellen Fakten zum Fall und den letzten Stand der Ermittlungen finden Sie natürlich auch bei uns beim Internet.“

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

~ von ernestina am 23. August 2008.

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