Unendlichkeit
Spät war es geworden. Sie stand da, wartend, überlegend, die Lichter der spärlich vorbeifahrenden Autos mit den Augen verfolgend. Und dann, einem Gefühl folgend, wanderte ihr Blick nach oben; und zwischen den Drahtseilen, unter welchen tagsüber die Straßenbahnen tanzten, blinkte ein einsamer Stern. Nein – es waren mehrere, der eine schwächer, der andere stärker; aber alle strahlten sie aus der Unendlichkeit herab.
Als sie so, nach oben gebogen, in den nachtschwarzen Himmel schaute, fühlte sie sich plötzlich frei. War da nicht so viel mehr, als sie zuließ? Hatte sie sich die Eisen, welche sie fühlte, nicht selbst angelegt? Könnte sie nicht eigentlich tun, was sie wollte, jetzt gerade, was auch immer es wäre? Könnte sie nicht einfach ihrem inneren Kompass folgen, wo auch immer er sie hintreiben möge, um von diesem Ort aus dieselben Sterne, dieselben verlässlichen Begleiter, auf sich herabstrahlen zu sehen?
Und dann kommt die Straßenbahn, verspätet und doch zu früh; zurück, nach Hause.

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