Erwachsene

Ich laufe vor mich hin, als draußen vor der Scheibe ein Mann um die Dreißig mit seinem kleinen Sohn an der Hand vorbeischlendert. Der Knirps – er kann gerade laufen und stolpert vor sich hin – bleibt gebannt stehen und starrt durch das Glas auf die Menschen, die da auf komischen Maschinen vor sich hin rennen. Und sieht dabei so unglaublich zuckersüß aus, dass ich einfach nicht anders kann, als ihm zuzuwinken. Er schaut mich reglos an. Schließlich hebt er langsam die Hand und schließt und öffnet sie mehrfach – ein Babywinken! Ich freue mich total, winke wiederum zurück.

Als ich meine Aufmerksamkeit von dem Kleinen löse, sehe ich, wie sich der Vater gerade eine Kippe anzündet und genüsslich Qualm ausatmet. Gleichzeitig merke ich im Augenwinkel, dass der alte Herr auf dem benachbarten Laufband etwas zu mir sagt. Ich nehme die Musik aus meinen Ohren: „Bitte?“ – „G’hert der zu Eana?“ Ich weiß nicht, ob er Vater oder Sohn meint, er weiß es vermutlich genauso wenig. Ich murmele ein „Nein“ und schaue zu dem Kleinen zurück, der mich immer noch anschaut und gerade – in Rauchschwaden gehüllt – weggezogen wird.

Erwachsene können so scheiße sein. Ich beschließe, heute etwas länger zu laufen, stelle das Band schneller und die Musik lauter.

~ von ernestina am 28. April 2009.

Eine Antwort to “Erwachsene”

  1. ja, aber gottseidank kann auch aus vollgequalmten kindern wat werden. :) sieht man ja an mir. :D lol

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