Ernestina

… lebt seit einigen Jahren im Süden Deutschlands. Dort arbeitet sie in der Wissenschaft.

… ist um die 30 und weiß oft nicht, ob sie ein „schon“ oder „erst“ davor setzen sollte. Die Hoffnung, dass man morgens aufwacht und die Midlife-Crisis Vergangenheit ist, hat sie noch nicht aufgegeben.

… hat in diesem Leben schon viel mitgemacht und einstecken müssen – nicht immer unverschuldet, denn sie ist sehr impulsiv. Die Depressionen, die Schwermütigkeit und Melancholie, die sie seit gefühlten Ewigkeiten in sich trägt, hat sie im letzten Jahr besser in den Griff bekommen und als Lebensbegleiter akzeptiert.

… ist ein sehr sensibler, emotionaler und nachdenklicher Mensch. Sie würde vor diese Attribute am liebsten ein „leider“ einfügen, da sie glaubt, dass sie es im Leben leichter hätte, wenn sie nicht so wäre.

… liebt nicht zuletzt aufgrund der letztgenannten Eigenschaft die Musik und singt, auch solistisch, unter der Dusche und in einem Chor. Sie hört von Klassik über Metal bis Hip Hop alles, was ihr gefällt, je nach Stimmungslage; aktuell stehen Karl Jenkins’ Requiem, Fiona Apple und Karsh Kale hoch im Kurs.

… hat ein Faible für das geschriebene Wort. Sie hat zwar lange keine Kurzgeschichte und kein Gedicht mehr verfasst, vergöttert aber immer noch Hemingway. Klassiker wie Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray oder Hesses Steppenwolf haben sie in den schwierigsten Zeiten des Lebens alles vergessen lassen. Erst kürzlich hat sie T. C. Boyle für sich entdeckt, dessen Wassermusik sie sicher nicht zum letzten Mal mitgerissen hat.

… kann sich furchtbar aufregen und war als Kind jähzornig. Im falschen Augenblick kann es die umgestoßene Kaffeetasse sein, die sie zur Weißglut treibt – häufiger aber sind es menschliche Verhaltensweisen, ihre eigenen eingeschlossen.

… könnte man Launenhaftigkeit nachsagen, nicht aber einen Mangel an Gerechtigkeitssinn. Sie hat sich vor kurzem zwar von der christlichen Religion losgesagt und bezeichnet sich inzwischen als Agnostikerin, sieht jedoch Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Treue und Integrität – fernab jeder Spiritualität – als Basis eines glücklichen Lebens, irgendwo am Horizont.

… hätte eigentlich gern Archäologie studiert. Sie war damals sicher, irgendwann in einem Atemzug mit Howard Carter und Heinrich Schliemann genannt zu werden. Heute ist es statt dessen Freizeitbeschäftigung, Museen und Dokumentationen anzuschauen, archäologische Bücher zu verschlingen und von der Zeitmaschine zu träumen.

… reist für ihr Leben gern in der Welt herum, Flughäfen und Bahnhöfe verursachen bei ihr dieses angenehme Kribbeln. Schon als sie klein war, hat sie überlegt, dass der wahrscheinlichste Sinn ihres Lebens ist, so viel wie möglich von dieser Welt zu sehen. Sie hat ein paar Monate in Rom und ein Jahr in Brasilien gelebt, archäologische Stätten der Türkei und auf Kreta abgegrast, schnorchelte auf den Malediven und wanderte bescheiden durch die Alpen. Back-to-the-Roots-Camping und Fünf-Sterne-Hotels empfindet sie nicht als Widerspruch, vielmehr als willkommene Abwechslung. Die nächsten Traumziele, auf die sie spart, sind Irland, die Karpaten und die Mongolei.

… ist ein Genussmensch und kann gefährlicherweise nie genug von Dingen bekommen, die ihr schmecken. Sie liebt insbesondere Sushi, Steak, Meeresfrüchte, Kaiserschmarrn und Rotwein, war jedoch auch abseits der Leibspeisen und -getränke nie eine Kostverächterin. Spät fing sie an, sich für das Kochen zu begeistern – dennoch hat es inzwischen einen eigenen Reiz entwickelt und wirkt gleichsam meditativ. Ganz vorne liegen dabei Wok-Gerichte, aber auch das Kreieren selbstgemachter Muffins – letztere sind insbesondere in den Formen Mandel-Möhrchen und Banane-Baileys aktueller Favorit.

… geht es besser, wenn sie ihre Gedanken, Gefühle, Ängste und Freude niederschreiben und festhalten kann. Sie empfindet diesen Prozess als klärende, innere Diskussion, die ihr hilft, sich selbst zu begreifen.